See.quenz.brief 1
03 Aug 2010 1 Kommentar
Geliebter Mensch in der Ferne,
dieser Brief beginnt mitten dort, wo ich Dich zurückgelassen habe: in meinem Leben. An jeden Ort an dem Du dich nicht entscheiden kannst zu sein, und der doch Deine Handschrift trägt, wie vieles in mir. Dein Bier im Kühlschrank, deine Musik auf der Festplatte und kleine blaue Flecken in meinen Augen. Auch Tiefschläge hinterlassen Spuren, ebenso wie Tränen, wie das Vergehen der Zeit.
Ich backe Scones, um mich an Schottland zu erinnern und trinke friesischen Tee mit Kluntje, um zu vergessen, dass nicht nur Du ins Exil gegangen bist, sondern ich schon vor langer Zeit. Dann lehne ich meinen Kopf an die Wand und lausche Deinem Herzschlag, der sehr nah klingt und doch unberührbar entfernt ist auf der anderen Seite.
Dann erinnere ich mich an das was Du über das Bauchgefühl sagst und bekomme Magenschmerzen, höre auf unsere Sprachstreitigkeiten und hoffe auf Rhythmusstörungen.
Dann male ich mitten in der Nacht neue Bilder für ein Märchenbuch und schreibe den Herzensfrauen, die mich verstehen und doch für krank halten, dann höre ich Jazz, mit jener Leichtigkeit und jenem Schmerz, die ich zuletzt spürte, als ich voller Sehnsucht nach Dir an dem Hafen stand, in dem mein Herz ruht.
Damals, als wir uns noch vermissten, mit jener Sehnsucht, in der nur der Herzschlag die Zeit vorgibt, und sich Entfernungen nur in Zentimetern messen lassen, mit jener Sehnsucht, die einen zurück und doch an neue Orte bringt. Damals als wir uns noch vermissten, mit jenem Verlangen, in dem nur Deine Haut mich wärmen konnte, in dem nur Deine Stimme meine Ohren erreichte, mit jenem Verlangen, das einen verbrannte, damit man wie ein Phoenix von neuem verlangen konnte.
Damals war meine Welt noch in Ordnung und ich schrieb Dir grüne Briefe von sonnigen Wiesen, liebevolle Worte aus windigen Ecken. Damals lag meine Welt zu deinen Füssen, heute tut es mein Stolz und diese sinnlose Hoffnung, die wie Lakrize schmeckt, die ich nie mochte.
Ich habe mit dem Rauchen aufgehört. mit Kaffee. mit Schokolade. und mit all den anderen Männern…
Ich habe mit dem Warten angefangen und gleichzeitig aufgehört. Damals, als ich merke Du wartest nicht mehr auf mich. weil ich schon da war. in Deiner Welt. Ein Goldfisch in einem sicheren Glas.
Das war nicht sicher, das war einsam. Wie eine Umarmung mit dem Gedanken an jemand anders, oder jenen Umarmungen, die übriggeblieben sind, gestern, vom letzten Fest, der letzten Beziehung, der letzten Tour. Resteficken ist eindeutig harmlos.
Restnähe jedoch – bringt dich um den Verstand.
Folglich sendet Dir
sich nach der Sehnsucht sehnende Grüße
die Unverständige