Thursday.sblue.s Brief
01 Jul 2010 Hinterlasse einen Kommentar
in bitterböse
Geliebter Mensch in der Ferne,
ich lausche der Nacht und Deinem Schweigen, das andauert, während ich mit den Resten einer Krankheit und dem wildwüchsigen Efeu in meinem Garten kämpfe.
Das Telefon habe ich abgeschaltet, um den Anruf, der nicht kommt sicher zu verpassen. Meine Sorgen um dich habe ich in buntes Zellophanpapier gewickelt und neben die Sehnsucht, die türkischen Honigstücken gleicht, in den Kühlschrank gelegt.
Das Thermometer zeigt immer noch 28°, nachts um 11, und mir ist kalt ohne Deine Haut an meiner, ohne Deinen Atem in meinen Nacken. Mir ist kalt ohne Deine Worte am Ohr, die die Stille durchbrechen, die sich seit Stunden enger um mich zieht.
Ich lese alte Texte und versuche mich in alte Gefühle zu finden, die mich schon durch viele Nächte trugen. Wondratschek schrieb einst: eine Nacht ist lang genug um durchzudrehen. Ich drehe seit Stunden Eiswürfel sinnlos mit einem Strohhalm in einem Glas, erst rechts, dann links, dann mit und gegen die Uhr, die mir unerbittlich vorführt, dass die Zeit weitergeht. Ohne zu fragen.
Ich verstricke mich in Gedanken an Freiheit und führe all die Gespräche mit Dir zu denen mir meist die Zeit fehlt, während ein verlorener Nachtfalter zum 18. Male versucht in meinem Augenwinkel zu landen. Diese Nacht ist ebenso endlos wie der Tag davor und ich versuche mich Wort um Wort hindurchzukämpfen.
Die Worte, die nur Dir gehören, und die ich Dir nie gesagt habe, bleiben dabei auf der Strecke. Krötenwanderungen sind für Frösche nicht der richtige Weg, Sicherheit ist nur ein Schild am anderen Ende, und alles was ich fühle hat kein Gewicht.
Schwerelos fallen die Buchstaben auf Papier, das sich zerknüllen und verbrennen lässt. Ich züchte mir ein Nachtmottenrudel als Begleitung für diese Nacht und verschlucke mich an dem, was Du mir bedeutest, ebenso wie an der Angst.
Ich male weiße Punkte auf farblose Marienkäfer und rote Schutzzeichen auf meine Haut, trinke Pfefferminztee in allen Variationen und lausche den beruhigenden Lügen der anderen.
Meine Augen schreiben: Liebe in endlos farblosen Schnörkeln auf deinen Körper, den ich nicht fassen kann, während ich mir die Finger verknote und auf die Unterlippe beisse, bis es blutet.
Ich warte. auf den Wahnsinn. oder auf Dich.
Je nachdem, wer schneller sein wird.